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May 18 2015

Maschinen gegen den Tod

Moderne Gerätschaft ist Ausdruck technischer Vernunft, so scheint es jedenfalls. Im Inneren ihrer Benutzer aber wogen dunkle Gefühle.

raygunIn der Wirtschaft, wo alles ungewiss ist und viele Interessen im Spiel sind, ist die Angst eine ständige Einrichtung. Beispiele gibt es genug, nicht nur den Schwarzen Freitag vom 24. Oktober 1929 oder den März 2000, in dem die New Economy kollabierte. Irrationale Panik brach aus, geboren aus der Angst vor dem Nichts.

Mit den Medien sind Maschinen gegen die Angst entstanden. Das Online-Universum ist eine gigantischer Apparat gegen den Tod. Alles wird festgehalten, nichts mehr vergeht. Das aufdämmernde Informationszeitalter und die aus der Universalität des digitalen Mediums resultierende universellen Veränderungen verursachen Wellen der Angst.

Heute fürchtet niemand sich mehr davor, beim Segeln über den Rand der Welt zu fallen. Dafür kennen wir andere Ängste – vor Viren, Verkehrsunfällen, vor dem Verschwinden der Welt hinter den Bildschirmen und vor einer elektronischen Einsamkeit. Und eine grundlegend neue Angst, nämlich die sich aufsummierenden Ängste, die aus unserem eigenen Tun und Handeln – und Nichthandeln – hervorgehen. Fürchtete sich der Mensch früherer Zeiten vor Naturgewalten wie einer Sonnenfinsternis, so erschrecken wir Gegenwartsmenschen vor der Sinnesfinsternis unserer eigenen Natur.

Hat eine Angsttendenz sich erst einmal ein Bett gegraben, verstärken auch eigentlich harmlose Bilder wie die des stilisierten jugendlichen Imponierverhaltens die sozialen Ängste. „Thriller“, „Dangerous“ – Wunsch aller hormonbedrängten Heranwachsenden ist es, angsterregend zu sein – Cyberpunk, Cyborg, Maschinenmensch. „Enfants Terribles“, schreckliche Kinder, nannte der französische Graphiker Paul Gavarni eine Bilderfolge, deren Titel sich die Realität angeeignet hat. Die Folgen der Beängstigungen werden sichtbar an Bekleidung wie Bauwesen. Die sozusagen Campingversion der mittelalterlichen Festung – Angst-Architektur par excellence – ist das elektronisch und bruchsicher bewehrte Einfamilienhaus. In den waffenverrückten USA entwirft eine Designerin mit Erfolg kugelsichere Mode für Damen und Herren.

Als mutwilliger Kontrapunkt zu einer alles abmildernden Wohlstandsgesellschaft und dem zugehörigen Lebensgefühl, das sich wie Styropor anfühlt, stürzen Menschen sich an Gummiseile gebunden von Kränen, überklettern vereiste Wasserfälle oder lassen sich wie Bruchholz durch Wildbäche schwemmen. Herzklopfen. Abenteuer. In pastellfarbene Freizeitkleidung geschalt, übt man sich in der Dramatisierung des Alltags. Angst ist Stimulans.

Für manchen sind Angstreize bereits gleichbedeutend mit Intensität, dem Starkgefühl von Leben, und dem koketten Anriss einer Einsicht, die Wolfgang Hildesheimer so formuliert hat: „Nichts im Leben wäre schön oder wichtig gewesen, nichts wesentlich, wenn es den Tod nicht gäbe. Erst wenn man ihn vor Augen hat, wird das Leben lebenswert.“

Im Hochgefühl des Fallschirmspringers, der über einer nächtlich leuchtenden Stadt abspringt, erfüllt sich ein urzeitlicher Traum: einzutreten in das Leuchten des Feuers, das alle Phantasie illuminiert. Nicht nur die Bilder aufsteigen zu lassen aus der züngelnden Formenfülle der Flammen, sondern hinabzusteigen zu den Bildern, in den Kern des Leuchtens.

Wir tauchen ein in das Bildschirmlicht.

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May 12 2015

Die Einknopfwelt

Das Netz gibt sich nicht mehr mit Nutzern zufrieden, es will Mitarbeiter. Und Superkonsumenten.

EIn Fingerdruck genügtVor einer Zeit stand ich bei der Einreise nach China am Flughafen in Peking vor einem Schalter, dahinter eine uniformierte Beamtin. Vorn an dem Schalter waren drei Knöpfe. Sie waren mit klassischen Laune-Symbolen gekennzeichnet, einem lächenden Gesicht, einem neutralen und einem, dessen Mundwinkel nach unten zeigten. Ein englischer Hinweis machte darauf aufmerksam, dass man hier sein Urteil über den Service direkt abgeben könne. Da ich nicht der Anlass sein wollte, dass die Frau in die Kohleminen deportiert wird, liess ich die Finger von den Knöpfen. Im Stillen dachte ich: Das ist ja wie Facebook.

Wobei es auf Facebook einzig die Möglichkeit gibt, etwas zu liken; unlike ist nicht vorgesehen. Diese Reduktion der Ausdrucksvielfalt erinnert mich an das Partyspiel, bei dem einem die Arme auf den Rücken gebunden werden und man mit einem Löffel im Mund ein Ei ins Ziel balancieren muss, eine künstliche Beschränkung also.

armaturenbrett-knopfNach der gängigen Auffassung ist Kommunikationstechnologie dazu da, den Austausch zwischen Menschen zu vereinfachen. Im Gegensatz dazu bin ich der Meinung, dass es genau umgekehrt ist: Der Mensch empfindet ein sonderbares Vergnügen dabei, es sich mit technischer Hilfe schwerer zu machen als nötig.

SMS und Twitter sind gute Beispiele dafür. Während in den Visionen der Experten die Kommunikationstechnik immer bunter, bewegter, multimedialer wurde, entwickelten sich minimalistische Mitteilungsmethoden mit 160 (SMS) respektive 140 Zeichen (Twitter). Beide wurden zu einem rauschenden Erfolg, unter anderem, weil bestimmte Konventionen, bedingt durch die Kürze der Texte, wegfallen. Man grüsst nicht mehr, sondern kommt zur Sache.

raster-knopfDie neuen Mikrokulturformen, wie sie das Internet hervorbringt, sind kürzer, schnipseliger, wimmeliger als herkömmliche Ausdrucksformen. Und ja, sie machen mehr Arbeit. Deutlich mehr als zu der Zeit, als man noch hauptsächlich E-Mails verfasste. Früher hat man einfach gesurft, heute muss man liken, teilen undsoweiter. Das Netz macht inzwischen richtig Arbeit.

Es will, dass wir uns bemerkbar machen. Dass wir mitmachen. Es erwartet unsere tätigen Beiträge. Die Vorstellungen, wie diese Netzarbeit aussehen soll, gehen allerdings ziemlich weit auseinander. Die einen freuen sich, dass es für Mediennutzer inzwischen selbstverständlich geworden ist, die volle alphabetische Ausdrucksbreite anzuwenden, die einem eine Computertastatur bietet. Ich kann sagen, was ich denke und was ich will, notfalls auch in epischer Breite.

Andere träumen von einer Einknopfwelt. In diesem Knopf, mit dem man nichts anderes als Dinge gut finden kann, findet sich ein Stück der alten Weltordnung aus der Zeit vor dem Internet wieder. Damals war die Medienwelt in zwei Teile geteilt: der Journalismus war für die schlechten Nachrichten zuständig, die Werbung für die guten. Dieses Grundprinzip von Werbung, Dinge ausschliesslich gut zu finden, ist nun in dem unscheinbaren Knopf mit dem Daumen-hoch-Symbol institutionalisiert.

Auf dem Schulweg konnte ich früher in der Strassenbahn dem Fahrer über die Schulter schauen. Neben einer grossen Kurbel, mit der die Geschwindigkeit geregelt wurde, gab es einen Knopf, unter dem ein Schild festgeschraubt war, auf dem stand „Totmann“. Lange hielt ich das für einen ungewöhnlichen Firmennamen. Dann erfuhr ich, dass der Knopf so heisst, weil er dazu da ist, festzustellen, ob der Mann, der vor ihm steht, noch lebt oder tot ist. Eine Strassenbahn, in der hundert Fahrgäste sitzen, darf nicht führerlos durch die Stadt fahren, falls der Lenker in Ohnmacht fällt.

shopping buttonWas früher Totmannknopf hiess und heute Sicherheitsfahrschaltung heisst, muss auch von Lokführern in modernen Zügen nach wie vor alle 30 Sekunden betätigt werden. Erfolgt das Signal nicht, wird nach einer Warnung eine Zwangsbremsung eingeleitet. Ein Lokführer erzählte mir, dass er im Urlaub am Strand in den ersten zwei, drei Tagen immer noch alle 30 Sekunden mit dem Fuss in den Sand tritt.

An das Prinzip dieses Totmann-Knopfs jedenfalls erinnert das Konzept des „Kaufen!”-Knopfs, das in immer neuen Erscheinungsformen durch die digitale Welt geistert. Konsumschwäche wird mit sportlich betriebenen Kaufklicks unangestrengt behoben. Früher bekam, wer sich als Mitglied in einem Buchclub nicht entscheiden mochte, den sogenannten „Hauptvorschlagsband” zugeschickt. Diese Methode liesse sich, nach dem Prinzip der Totmann-Schaltung, im Netz konsequenter umsetzen: Wenn man nicht in Abständen einen Knopf drückt, wird geliefert.

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May 04 2015

Die Zeit der Weltausstellungen ist vorbei

Schon die Unterschiede in der Bauausführung sind symptomatisch:

weltausstellung mailand 1906Weltausstellung in Mailand, 1906: Am 28. April 1906 wurde im Rahmen der Weltausstellung in Mailand das Acquario Civico di Milano eröffnet. Das Aquarium ist das einzige heute noch erhaltene Gebäude dieser Weltausstellung. Am 3. August 1906 brach auf dem Gelände ein Feuer aus, das mehrere Gebäude und Pavillons zerstörte, darunter den Pavillon der Angewandten Künste. Innerhalb von 40 Tagen wurden die Bauten neu errichtet und von König Viktor Emanuel III. wiedereröffnet. (Wikipedia, „Weltausstellung Mailand 1906“)

Weltausstellung in Mailand, 2015: „Fahrradwege, Brückenzugänge – selbst der italienische Hauptpavillon ist nicht rechtzeitig zur Eröffnung am 1. Mai fertig geworden. … [Der Pavillon] bleibt einfach bis zum Ende der Expo leer. Italienischer Not-Pragmatismus. Ausgerechnet dieser Bau soll als einziger auf dem Areal stehen bleiben.“ (Laura Weißmüller, „Bulldozers Fluch“; Süddeutsche Zeitung)

Die Zeit der Weltausstellungen ist vorbei. Es waren Orte, an denen die neuesten technischen Erfindungen in kühnen Formen temporärer Architektur wie dem Londoner Crystal Palace gezeigt wurden. 1876 in Philadelphia, auf der ersten Weltausstellung in Amerika, präsentierte Alexander Graham Bell das Telefon und Thomas Alva Edison führte den Telegrafen vor. Mit dem Atomium, erbaut für die Expo 58 in Brüssel und der zur Expo 62 in Seattle errichteten Space Needle entstanden Symbole einer Technikeuphorie, die längst von einer Realität nach Tschernobyl, Challenger und Fukushima eingeholt worden ist. Weltausstellungen im 21. Jahrhundert sind zu einer Mischung aus Wurstbuden, Pappmaché und krampfhaft Ewigmorgigem verkommen.

Wir leben in einer Zeit, in der die Zukunft zunehmend von der Gegenwart eingeholt wird. Die Bekanntgabe von Innovation und Veränderung ist mit dem Internet ins Fliessen geraten und braucht eigentlich keinen Jahrmarkt der nationalen Eitelkeiten mehr.

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Schöne Links: Diesmal eine kleine Anthologie aus Weltausstellungs-Fundstücken

{ Für Systematiker gibt es in der Wikipedia es eine → Liste der Weltausstellungen | Hier eine Schatzsammlung an → Kunst und Architektur der Weltausstellungen 1851-1970 aus der digitalen Sammlung der University of Maryland. | In der → World’s Fair Community finden Weltausstellungsfans und -historiker ein gut strukturiertes Forum. |

Die → World’s Columbian Exposition 1893 war eine in Chicago veranstaltete Weltausstellung, die zum vierhundertsten Jahrestag der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus stattfand. Da die Bauarbeiten zur Eröffnungsfeier am 21. Oktober 1892 noch nicht beendet waren, fand die offizielle Eröffnung erst ein Jahr nach dem Jubiläum statt. Fast 30 Millonen Menschen kamen, um ein von → Nikola Tesla und George Westinghouse eingerichtetes → elektrisches Lichtermeer zu sehen. |

Bilder der → Weltausstellung 1904 in Missouri, aus der Fotovielfalt des Missouri History Museum auf Flickr. | Und digitalisierte Photographien und Stereographien der → Philippinischen Ausstellung. |

Bilder aus dem → offiziellen Katalog zur Weltausstellung in Chicago 1933-1934, sie stand unter dem Motto → „Ein Jahrhundert des Fortschritts“. |

1939: Ein ehemaliger Aschehügel im New Yorker Stadtteil Queens wird → zum Gelände einer Weltausstellung, an der China und Deutschland nicht teilnehmen – China führt gegen Japan Krieg, und das nationalsozialistische Deutschland lehnt die Beteiligung an einer angeblich „überwiegend von Juden“ organisierten Ausstellung ab. | Im Westinghouse Building wird → Elektro the Mechanical Man gezeigt. | Alte → Schwarzweissanufnahmen. | → Zeitungswerbung für die Ausstellung. | → „Die Welt von morgen“, ein beschwingtes Filmchen über die Welt von 1939. | → Futurama ist eines der eindrucksvollen architektonischen Wahrzeichen. Sponsor General Motors zeigt → automatische Autobahnen und riesige Vorstädte. |

Bildschirmfoto 2015-05-05 um 01.38.151962: Seattle. Im Jahr vor der Eröffnung beginnt die Konstruktion der → Space Needle. Ein → heroisches Bild des Bauwerks. Und → das offizielle Poster der „Century 21 Expo”. | Ein → Malbuch mit Mondmäusen, passend zur Space Needle. | Sowie das japanische → Bunraku-Puppentheater auf der Expo.

Eine kontroverse Weltausstellung fand 1964-65 in New York statt, initiiert von Geschäftsleuten, die ihre Kindheitserinnerungen an die Weltausstellung 1939 auf den neuesten Stand bringen wollten. Hier ein → Potpourri der Pavillons, der farbenfrohe Umschlag → einer Werbebroschüre und das wie ein leuchtendes Raumfahrzeug erscheinende neue → Futurama.

Auf Flickr gibt es → einen ganzen Fotopool zum ehemaligen und heutigen Zustand des Ausstellungsgeländes. Dem → Futurama ist ein eigener Pool gewidmet. | Eine schöne Lesegeschichte von Adam Clark Estes: → My Accidental Pilgrimage to the 1964 World’s Fair Site. | → Sammelbilder und → Expo-Trinkgläser als Sammlerobjekte. Dazu eine Werbeanzeige für die → General Cigar’s Hall of Magic, überschwebt von gigantischen Rauchringen.

Wohnzimmerlampenkaskaden in architektonischer Gigantform und Sichtbeton mit Rundungen: Weltausstellung → 1970 in Osaka. Dazu ein Bauwerk → mit Tentakeln. | Eine Art Vorversion des französischen → Centre Pompidou, in dem gerade Ufos gelandet sind: → der Pavillon des japanischen → Sumitomo-Konzerns. | Und → der thailändische Pavillon. | }

{Wird fortgesetzt}

April 28 2015

Nur kurz: Ordnung und Cyberkeit

vexierspiel hochhäuser in kairo

 

 

 

 

 

Ein Vexierspiel: Welches der beiden Hochhäuser in Kairo steht im Vordergrund und welches im Hintergrund?

(Foto: David Evers / Daveness_98 | CC-2.0)

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Stille Tage im Plissé

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Teuer macht lustig.

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Pisa Margherita – deutsche Schüler schneiden besser ab.

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Gruss Missiles

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Haftcreme statt elektronischer Fussfessel?

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Kleine Investoren-Typologie, heute: der Schiffsanleger

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Ordnung und Cyberkeit

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Schöne Links: { Ein Spiel aus Japan: → tuttuki bako – Fang den Panda! Man muss dazu nur seinen Finger in den Minibildschirm stecken. | Der meditative → YouTube-Ring aus dem Kloster der Spiritsurfers | Die vom südmährischen Innovationszentrum unterstützte tschechische Designergruppe meduse design ist zu der Auffassung gelangt, dass Wasserpfeifen nicht aussehen müssen wie orientalische Blumenvasen mit Grillaufsatz. Den → medusepipes zu danken, brauchen auch Wasserpfeifengeneigte nun keinen Stilbruch mehr zu befürchten. | Die Zukunft, wie sie → auf Groschenheft-Umschlägen aussah. | Und hier noch der inzwischen leider verstorbene US-Comedian Brian Chic mit der angeblichen deutschen Originalversion des englischen Kinderlieds → Pop Goes the Weasel. }

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April 27 2015

Vom Feuer zum Filmchen

Die Realität scheint unter Milliarden selbstgemachter Fotos und Filme zu verschwinden – oder wird sie feinkörniger? Jedenfalls geht es um Zauberei.

HALWAS DEN MENSCHEN massgeblich vom Tier unterscheidet, ist sein Abbildungswille. Er muss immer alles visualisieren. Die Tradition, der wir heute meist mit Hilfe von Kameras folgen, die in Gadgets eingebaut sind, führt seit einigen zehntausend Jahren ziemlich geradlinig durch die Menschheitsgeschichte. Ob es sich um ein leicht bekleidetes Weibchen respektive eine Fruchtbarkeitsgöttin, Haustiere oder Formen der Freizeitgestaltung handelt, all das finden wir bereits an den Wänden der steinzeitlichen Höhlen von Chauvet, Lascaux oder Altamira dargestellt. Mit Pigmentfarben und Fingern dauerte die Anfertigung etwas länger. Heute geht es leider schneller.

Die Tradition dieser Bilder ist noch viel älter als die erhaltenen Artefakte. In etwa dort, wo heute Kenia und Tansania aneinander grenzen, hat sich vor vielleicht einer halben Million Jahren in den Köpfen der ersten modernen Menschen das Bewusstsein erhoben. Die Beherrschung des Feuers hat dabei eine Schlüsselrolle gespielt. Der Mut zu denken kam aus dem Feuer. Der Mut, neben den fassbaren Dingen noch ungeheuerliche flüchtige Bilder zu sehen. Im Schutz des Feuers, das alle anderen Lebewesen fürchten, konnte der Mensch die bis dahin stete Überlebensanspannung ablegen und einen mythischen Moment erleben, den Frieden. In der Vorstellung eines Paradieses lebt dieser Moment in allen Mythen der Menschheit fort.

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see your lifeAM BISHERIGEN ENDE einer leuchtenden Spur durch die Zeiten steht nun die Digitaltechnik. Sie ist der aktuelle Höchststand in der Beherrschung des Feuers. Der Computer erlaubt uns inzwischen die Kontrolle über jedes einzelne Fünkchen, jedes Pixel. Und was ist ein Display anderes als ein virtuelles Ofenloch, in dem ein kaltes Feuer glüht? Die Traumbilder, die das natürliche Feuer in der Grosshirnrinde des Menschen entzündet, werden jetzt vorgefertigt als Programme in unsere Bildöfen eingeschaufelt. Oder wir filmen, fotografieren und photoshoppen selber.

Niemand sollte sich darüber wundern, dass mit immer neuer Technik immer dieselben Motive abgearbeitet werden, mit den ersten Plattenkameras ebenso wie mit den Super-8-Kameras der Sechzigerjahre und den fotografierenden Tablets heute: Mutti, Dackel, Vati, Kinder, Katze. Abbildbarkeit ist dicker als Wasser. Und mit Hilfe von Fotoplattformen wie Flickr ermöglicht uns das Internet erstmals, die ganze Welt an der angeblich künstlerischen Absicht unscharfer Schnappschüsse teilhaben zu lassen.

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sony tragbares tvUND ES SIND nicht einfach Bilder, die Banalitäten als Gedächtnisersatz festhalten, weshalb immer mehr und unendlich viel fotografiert und gefilmchent wird. Es ist auch nicht die offenkundige Bequemlichkeit, die eine Digitalkamera dem analogen Film gegenüber bietet (wobei die sich auch wieder verliert, wenn man ein vielfaches an Zeit ins Korrigieren, Photoshoppen, Teilen oder Ausdrucken der Aufnahmen verwendet).

Es ist eine zutiefste Faszination am Bildermachen, denn der Computer steht in der unmittelbaren Abkunft der Zauberei. Zu den Vorläufern des Bildschirms gehört der Karfunkelstein der Alchemie, der aus eigener Kraft im Dunkeln leuchtet. Heute sitzen wir, die Nachfahren von Merlin, dem Magier, vor unseren Monitor-Kristallen und lassen mit Hilfe moderner, traditionell unverständlicher Beschwörungsformeln („Code“) Tele-Visionen auf der Glasfläche erscheinen. It’s magic.

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April 22 2015

Nur kurz: Gewinneinbrecher

Aufziehbarer Weltraumelefant

 

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Streik ist Nichtleistungsschutzrecht

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Auf Bahnhöfen und Flughäfen sollen nun auch Nichtdenkerzonen eingerichtet werden.

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Angeblich entwickelt der militärische Arm von Facebook gerade einen Feindefinder.

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Verlesen: AKW-Maut

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S-Kultur

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Misstrauensbildende Massnahmen

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Karl-Theodor zu Guttenberg Reloaded: Grand Theft Autor V

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Gewinneinbrecher

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Schöne Links: { Der japanische Webdesigner → Nobuyuki Kayahara hat eine bemerkenswerte optische Illusion geschaffen: → das Spinning Girl dreht sich, wenn man etwas länger hinschaut, scheinbar in beide Richtungen, im Uhrzeigersinn als auch dagegen. Aus Gründen der Gleichstellung hat Peter Oksbjerre danach einen → Spinning Man geschaffen. Und natürlich hat die → Spinning Cat nicht lange auf sich warten lassen. | Abhilfe bei scheuernden Sicherheitsgurten soll → dieser Sicherheitsgurtteddybär bringen. Aber was hilft gegen bescheuerte Werbespots? | Der Robotic Chair, den Raffaello D’Andrea gemeinsam mit Max Dean und Matt Donovan gebaut hat, sieht aus wie ein gewöhnlicher Küchenstuhl. Aber er fällt auseinander und baut sich, wie man → in dem Video sehen kann, selbst wieder zusammen. }

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April 20 2015

Nur Memmen speichern. Echte Männer löschen.

Vergangen, vergessen, vorüber
Vergangen, vergessen, vorbei
Die Zeit deckt den Mantel darüber
Vergangen, vergessen, vorbei

– Freddy Quinn, 1964

WER NICHT vergessen will, dem wird vergessen. So ist das nun in digitaler Zeit.

Speicherplatz ist kein Thema mehr. Jeder kann sich Kapazität in Terabytes auf dem Schreibtisch leisten und sich auch auf der Weltfestplatte ausbreiten, der Cloud. Das verändert die Ökonomie des Erinnerns. Staatliche Sicherheitsdienste und Unternehmen machen es vor: Erstmal alles behalten. Filtern kann man später immer noch. Der kleine Mann lernt: Sämtliche Urlaubsfotos behalten, auch die verwackelten.

Das, was man vor allem fürchten muss, wenn man maschinell verarbeitet wird, sind die gefährlichen Ungenauigkeiten, Missverständnispotentiale und Fehler, die von Algorithmen immer wieder erzeugt werden, da sie der Komplexität des menschlichen Lebens nicht nahekommen können (und auch gar nicht wollen, sie wollen ja simplifizieren). Etwa, wenn ein nach amerikanischen Bedeutungen suchender Algorithmus in einem Tweet, in dem englische New-York-Touristen britisch umgangssprachlich ankündigen, es so richtig krachen zu lassen, Terrorismusverdächtige zu erkennen meint und die Reisenden noch am Flughafen nach England zurückgeschickt werden.

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DIE SCHLACHT um‘s Erinnern und das Vergessen tobt mit einer neuen, digitalen Vehemenz. Google wurde bereits gerichtlich gezwungen, gelegentlich etwas zu vergessen. Früher, als Speicher noch knapp war, musste man einfach löschen. Löschen war noch etwas für echte Männer. Gelöscht war gelöscht. Die ganze verweichlichte Welt des UNDO, das feige Backups-Erstellen und Festplattenretten gab es nicht. Etwas zu löschen war eine unumkehrbare Entscheidung.

Heute leben wir in einem Zeitalter des umfassenden Speicherwahns. Jeder hebt alles auf, jedenfalls in digitaler Form, denn Daten wiegen nichts und nehmen keinen Raum ein. Und wir wollen nicht löschen, denn Löschen ist in einer Welt, die so voller Daten ist wie die unsere, gleichbedeutend mit aufräumen.

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use your libraryMIT DEN Bürosymbolen am Bildschirm des Apple Macintosh war 1984 der Mülleimer in den digitalen Alltag eingekehrt und mit ihm ein verhängnisvolles Prinzip, nämlich dass eigentlich schon Weggeworfenes wieder aus dem Mülleimer zurückgeholt werden konnte. Zu spüren bekommt man diese Löschmutlosigkeit anlässlich der seltenen Gelegenheiten, zu denen man seine Festplatte aufräumt. Selten, denn man ahnt bereits vorher, dass auf dem Gerät nicht nur nüchterne Daten und Souvenirs vergangener Lebensabschnitte zu finden sein werden, sondern auch komplette Ausführungen seiner selbst.

Um es mit einem analogen Beispiel zu illustrieren. Ich habe – nach wie vor – eine Bücherwand im Wohnzimmer und bringe es nur alle paar Jahre zuwege, sie auszumisten und neu zu sortieren. Ich habe Angst, dabei in einem tagelangen Rausch aus Wiederentdeckungen verlorenzugehen. Vor allem aber habe ich Angst vor der Person, die ich war, als ich das letzte Mal Ordnung gemacht habe – sinnierend, ein Buch in der einen, eine Zigarette in der anderen Hand. Längst rauche ich nicht mehr, aber ich weiss, ganz tief ist da noch etwas, das durch blosses Büchersortieren wieder in Resonanz geraten kann und mich in eine Person verwandeln könnte, die Zigaretten raucht und eigentlich längst nicht mehr existiert.

Anders ausgedrückt: Ich glaube nicht, dass es so etwas wie Vergessen überhaupt gibt. Man kann Dinge vergraben, sie sedimentieren lassen unter dem Sand der Zeit und dann sieht es so aus, als habe man vergessen, aber alles ist noch da und wartet auf seinen Moment, wieder erinnerlich zu werden.

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MACHT ES einen Unterschied, ob man in einem Karton wühlt, der drei Umzüge lang nicht mehr geöffnet worden war oder im Daten-Fuchsbau einer Festplatte? Das Gedächtnis arbeitet grundlegend anders als eine Festplatte. Was wir Erinnerung nennen, ist ein biologischer Prozess, der mit vielschichtigen Übergängen zu tun hat, mit einem Verblassen, Destillieren, Abmildern, und nichts mit dem An- und Ausknipsen von Bits. Auf einer Festplatte führt schon die Bezeichung „Baumstruktur“ für die Verzeichnisgliederung in eine falsche Vorstellung, nämlich dass es sich um etwas Oberirdisches handle, während das Ganze in Wahrheit vielmehr dem Labyrinth eines Beutetiers gleicht.

the human factorDas, was wir an Daten hamstern, ist weitestgehend Zeug, das wir nicht brauchen. Heizmaterial für die Seele. Es gibt uns das Gefühl, Vorräte zu besitzen, eine archaische Beruhigung. Auch das wird einem schmerzhaft deutlich, während man seine Harddisk durchgräbt und überlegt, wie lange man wohl braucht, um knapp 100.000 gespeicherte Textdateien auch nur zu überfliegen.

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WIR ALLE geben uns einer gigantischen Illusion hin. Wir glauben, dass Computer uns dabei helfen, Dinge zu ordnen. Stets wie mit dem Lineal gezogen stehen die Zeilen auf dem Bildschirm. Aber auch der Begriff „Datenverarbeitung“ führt in die Irre. Die Maschine hilft uns nicht, Daten zu verarbeiten – sie erzeugt Daten. Es ist die schiere Menge, die einem Menschenwesen mit begrenzter Lebenszeit die Grenzen zeigt, und die Feinkörnigkeit dessen, was man da alles so wiederfindet. In der Horizontweite des persönlichen Gespeicherten stösst man ständig auf neue Beweisstücke, dass man gelebt hat; auf Lebenswinzigkeiten, die dazu führen, dass man zu seinem eigenen Spurensicherungstrupp wird.

Es kann auch beglückend sein, wenn man sich mit Computerhilfe auf eine neue Art genau und detailtief erinnern kann. Nicht selten ist es aber so, dass eine unbereinigte Art der Erinnerung den Genuss trübt: haufenweise unscharfe Fotos von der Amerikareise vermitteln einem das Gefühl, ein unscharfer Zeitgenosse zu sein.

Aber der Mensch braucht das Ungefähre, Ungewisse und Unaufgeräumte, um sich zu vergewissern, dass nicht bereits alles festgelegt ist – auch nicht die Vergangenheit – und um sich frei fühlen zu können. Es ist deshalb fast eine Art Naturgesetz, dass Festplatten nie ganz aufgeräumt werden.

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April 13 2015

Der Sieg der Ferne

Ein paar Anmerkungen zum Kulturpessimismus und der digitalen Welt

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LANGE DEBATTEN auf Facebook und Consorten, das Feuilleton rauscht: Ein Foto, das der niederländische Journalist Gijsbert van der Wal am 27. November getwittert hat, fährt durchs Netz und hinterlässt eine Spur des „Finde ich aber auch!“. Es zeigt eine Schar Teenies im Rijksmuseum Amsterdam auf einer Sitzbank, hinter ihnen das berühmte Rembrandt-Gemälde Die Nachtwache von 1642.

mädchen im museumDie jungen Mädchen sind ausnahmslos über ihre Smartphones gebeugt. Wären es statt Smartphones papierene Museumsführer oder zumindest akustische Museums-Guides, das Foto wäre widerstandslos an den Augen der Welt vorbeigegangen. Gar nicht so unwahrscheinlich, dass sich zumindest das eine oder andere der Mädchen Hintergrundinfos zu den Dingen im Museum aus dem Netz holt.

So aber werden die vermeintlich aus der lebendigen Nähe an eine gespenstische digitale Ferne verlorenen Jugendlichen zum Inbild eines ebenso vermeintlichen Untergangs.

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IM JAHRE 1863 weigerte sich der deutsche Rittergutsbesitzer Graf Stolberg bei einem gesellschaftlichen Anlass, neben dem Industriellen August Borsig zu sitzen, weil jener ungebildet war. Heute gäbe es eine technische Lösung für das Problem: Man hielte sich vor Computern auf und könnte sich, körperlich separiert und ungestört von sozialem Rang, unterhalten. Die Ressentiments aber sind geblieben.

In seinem Traktat „Gadget: Warum die Zukunft uns noch braucht” sieht der Virtual-Reality-Pionier Jaron Lanier im expandierenden Online-Universum nicht kollektive Intelligenz am Werk, sondern einen digitalen Mob. Der amerikanische Autor Nicholas Carr befürchtet, dass durch die vernetzten Maschinen unsere Gehirne aufgeweicht und vor lauter Links, googelbaren Ablenkungen und Meteorschauern aus Mails und Tweets die Fähigkeit zu tiefergehender Beschäftigung mit einem Text im Absterben begriffen sei. – Untergang Abendland.

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FRÜHER HABEN Kunst und Magie die Menschen in Erstaunen versetzt, heute sind es Technik und Wissenschaft. Wie bei jeder neuen Technologie, so waren auch bei der Einführung des elektrischen Lichts Skepsis und Sorge verbreitet. 1882 hielt mit den ersten 65 Kunden der Edison Illuminating Company in New York die künstliche Beleuchtung Einzug in die USA. In Paris gingen die Damen damals nachts mit Schirmen durch die Strassen, da sie Angst vor dem stechenden Licht der Bogenlampen hatten. Hundert Jahre später begann sich wieder eine neue Technologie auszubreiten, wieder Schirme – Computerbildschirme diesmal.

Wie immer mit dabei: die Angst vor dem Ende bedeutender zivilisatorischer Errungenschaften durch ein neues Medium. „Die Summe der Empfindungen, Kenntnisse, Erfahrungen, also die ganze Last der Kultur, ist so gross geworden, dass eine Überreizung der Nerven- und Denkkräfte die allgemeine Gefahr ist.” Geschrieben 1878 von dem Philosophen Friedrich Nietzsche.

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music defense leagueJEDE ZEIT hat die zu ihr passende drohende Kultur-Apokalypse. „Ist unsere Zivilisation dem Untergang geweiht, weil wir uns heillos von Maschinen abhängig machen?”, fragte Bennett Lincoln 1930 in dem Magazin „Modern Mechanics”. 1927 war der erste Tonfilm ins Kino gekommen, in den folgenden drei Jahren verloren 22.000 Musiker aus Stummfilmorchestern ihre Jobs. Proteste gegen die „Robotermusik” führten 1930 zur Gründung der Music Defense League, die um Unterstützung im Kampf um die Arbeitsplätze der Stummfilmmusiker warb. Auf Anzeigenmotiven zu sehen war unter anderem ein Banjo spielender Roboter – mit seiner mechanischen Serenade sei er dem echten Troubadour fundamental unterlegen: „Der Roboter kann nicht fröhlich noch traurig noch sentimental sein.”

Mit der Ausbreitung des Fernsehens stand dem Ideal des in die Imaginationstiefen von Büchern tauchenden Lesemenschen ein gefährliches graues Leuchten gegenüber, das handgesägte Gedanken durch vorgefertigte Bilder ausser Kraft zu setzen drohte. Mit dem Walkman kam der erste Entwurf des quasi-autistisch isolierten, technisch zombifizierten Jugendlichen, der wenig später ein Update als blasser, sozial gestörter Computerfreak erfuhr (Mit der Einstellung der Walkman-Produktion im Frühjahr 2010 wurde die Staffette der Belämmerungsmaschinen offiziell an den iPod weitergegeben).

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KULTURPESSIMISMUS IST Revolution für Faule. Das Ende vom Lied möchte der Kulturpessimist gern geliefert bekommen, am liebsten von einer ultimativen Übermacht. Der Deutsche etwa liebt den pompösen Untergang, das Wagnerianische, auch wenn es furchtbar eitel ist („Die Welt geht unter und ICH bin dabei“), während der Amerikaner die Apokalypse nach Art der Erweckungstheologie bevorzugt, die Hilfe gegen die masslose Überschätzung der Vernunft verspricht.

Die Situation ist nicht ganz unkompliziert, da auch die Freunde des digitalen Fortschritts ganz gern mit kulturpessimistischen Methoden spielen. So freut sich der gewöhnliche Nerd mit daran, dass die Erde in Douglas Adams berühmter fünfteiliger Trilogie „Per Anhalter durch die Galaxis” einer kosmischen Umgehungsstrasse weichen muss und gesprengt wird.

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„Gesellschaften scheitern, das zeigt die Geschichte, nicht an Rohstoffknappheiten”, schreibt der Zukunftsforscher Matthias Horx. „Sie scheitern an ihren übersteigerten inneren Ängsten.”

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April 10 2015

Hochschule für abgewandte Künste

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Heimlich, mir graut vor dir!

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Verlesen: Tausendstelkunden

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Was bin ich froh, dass man das Fernsehen im Internet nur noch erzählen muss.

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Nein, Rittersporn ist nichts Schweinisches.

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Angeblich entwickelt der militärische Arm von Facebook gerade für die gemässigten syrischen Rebellen einen Feindefinder.

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Verlesen: Jeder sechste Deutsche ist anmutsgefährdet.

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Hochschule für abgewandte Künste

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Schöne Links: { Das Matterhorn vor Sonnenuntergang → in einem Wolkenfeuer. (Animiertes Foto von Phillip Pearson). | → Portugal, 1956. Fotos von → Bill Perlmutter. | Im US-Nationalarchiv findet sich unter vielem anderen eine im Stil eines Bauplans gehaltete → Cocktail Construction Chart des US Forest Service aus dem Jahre 1974. | Gluten-freie Gemälde mit Photoshop, → ein Blog. | → “The Approximate Present” ist eine stimmungsvolle Animation von Filippo Baraccani, in der es, inspiriert von der Chaostheorie, um das Wetter geht, um romantische Landschaftsgemälde und den minimalistischen Look früher Computersimulationen. }

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April 07 2015

Megaschnurz

Früher war das Kaputtgehen einfach. Inzwischen hat sich eine Vielzahl virtueller Defektvarianten eingeschlichen.

Ich möchte den Diskurs von neulich (→ Meine Heizung schreibt mir) über ausfallende Technik im digitalen Zeitalter nochmal aufnehmen und ein paar Details anfügen.

Original Ford V8-Motor von 1932.

Original Ford V8-Motor von 1932.

Parallel zur Leistungszunahme von Rechnern steigt die Frustrationstoleranz ihrer Benutzer, worin sich wieder einmal die fantastische Anpassungsfähigkeit des Homo Sapiens zeigt. Dieses Leidenstalent könnte man, statt in Megahertz, in Megaschnurz messen. In der digitalen Welt bedeutet Fortschritt, in immer kürzerer Zeit immer mehr Fehler machen zu können oder von ihnen heimgesucht zu werden. Das erfordert ein robustes Gemüt.

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In der alten, analogen Welt war der Funktionsausfall eines Geräts noch eine solide Sache. Einmal vor vielen Jahren hörte meine elektrische Schreibmaschine mittendrin auf zu funktionieren und ich dachte, ich sei tot. Die Materie reagierte nicht mehr auf mich, ich war ein Geist. Heute nennt man das Virtualisierung. Das heisst, das Kaputtgehen ist plötzlich voller Ungewissheiten. Mit dem Computer haben sich ungeheuerliche neue Formen, wie etwas nicht mehr funktionieren kann, entwickelt.

Der Heilige Gral des innovativen Defektseins ist der sogenannte Absturz. Er ist zentraler Teil des Leistungsumfangs von Hochtechnologie und markiert einen Paradigmenwechsel (Er hat das Wort gesagt!) in der Haltung des Konsumenten zum Produkt. Würde ein Autohändler einen neuen Wagen mit dem Hinweis verkaufen wollen, der Motor sei zwar noch nicht fertig entwickelt, man würde jedoch in Abständen einen verbesserten Austauschmotor bekommen, würde ihm Hohn entgegenschlagen. Bei Rechnern ist das selbstverständlich. Die Firma Apple ist mit dieser Methode zum wertvollsten Unternehmen aller Zeiten geworden.

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Es ist schon einige Zeit her, dass mein Drucker nur vormittags druckte, etwa bis gegen Mittag. Ich vergeudete ganze Nachmittage, Stapel an Papier und Sträusse teils extravaganter theoretischer Ansätze, woran es denn liegen könnte. (Zuviel Sonne? Ein thermisches Problem? Ich stellte den Drucker vom Fenster weg. Er druckte weiterhin nur vormittags).

Schliesslich fügte ich mich der Laune des Geräts und beschränkte mich darauf, Geschriebenes jeweils am Vormittag des darauffolgenden Tages auszudrucken. Mein Hardware-Guru, den ich schlussendlich konsultierte, liess mich die Plastikverkleidung aufschrauben und warf einen Blick auf die Druckerplatine. „Der hat nix”, sagte er und ich durfte das Gerät wieder zuschrauben. Er hatte den Drucker nicht einmal berührt. Der Drucker funktionierte wieder.

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Reposted byu-dit u-dit

April 02 2015

Nur kurz: Ich habe jetzt eine Photomontageanlage auf dem Dach

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Klicklichsein

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Facebook ist der Ort, an dem man Freunde hat, die man nicht kennt.

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Verlesen: Kurts Fassung

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Was wir brauchen, ist eine Neuernative.

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Streik ist Nichtleistungsschutzrecht

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Der vorläufige amtliche Endgegner

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Und nun die Ziehung der Wahlergebnisse.

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Auf Bahnhöfen und Flughäfen sollen nun auch Nichtdenkerzonen eingerichtet werden.

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Ich habe jetzt eine Photomontageanlage auf dem Dach

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SPEED

Schöne Links: { Totally wired: → Geräte-Gitter. | Die → Einfahrt ins Disneyland, 1965. | Hat man schon tausendmal gesehen, aber es geht immer noch besser: Zeitrafferaufnahmen sich öffnender Blüten → von Thomas Blanchard – 9.621 Aufnahmen, vier Monate Arbeit. | Das Monument Valley → von einer Drohne aus gesehen. | Ichiryusai Hiroshige: → “Rückkehr der Segelboote in Yabase” (um 1835). | Die morbiden Stilleben von Cindy Wright: → Tod und Verderben. }

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March 30 2015

Weltschwierigkeitsdesign

Ingenieure wissen es längst: Der Computer ist die Lösung. Was uns jetzt noch fehlt, ist das Problem.

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Irving Adler - Thinking Machines (1962)1983 gründeten der MIT-Absolvent und Computerwissenschaftler Danny Hillis und die Architektin und Mitgründerin einer Gentechnik-Firma Sheryl Handler die Firma „Thinking Machine“. Hillis träumte davon, eine Maschine zu bauen, die denken kann und stolz auf ihre Erbauer ist.

Seine Doktorarbeit am MIT befasste sich mit Parallelverarbeitung. Computer arbeiteten zu der Zeit seriell, einen Schritt nach dem anderen. In der „Connection Machine“ (CM), die Thinking Machine baute, waren bis zu 65.536 Prozessoren gleichzeitig am Werk. Und: Endlich sahen Computer auch in der Wirklichkeit so aus, wie sie im Kino schon lange aussahen. Die CM bestand aus düster-eleganten Kuben in einer Farbe, die firmenintern „Darth-Vader-black“ genannt wurde, übersät mit roten Leuchtdioden, die hypnotische Lichtmuster erzeugten; jede Diode zeigte die Aktivität eines der Prozessoren in der Maschine an.

Steven Spielberg war so eingenommen von der Technologie, dass er für die Rolle des Supercomputers in seinem Film Jurassic Park eine Connection Machine vorsah, obwohl in dem zugrundeliegenden Roman von Michael Crichton ein Cray-Supercomputer benannt ist. Aber als mit dem Ende des Kalten Kriegs Anfang der Neunzigerjahre die Subventionen der DARPA, der Entwicklungsabteilung des US-Verteidigungsministeriums, ausblieben und Firmen wie IBM und Intel in den Markt eintraten, wurde es eng. 1994 – in dem Jahr, in dem das Internet an Fahrt aufnahm – musste Thinking Machines Konkurs anmelden. In den 11 Jahren ihres Bestehens hatte sie 112 ihrer Supercomputer verkauft, zwei beispielsweise an American Express, um Kreditkartendaten in zuvor nicht gekannter Geschwindigkeit nach neuen Informationen über ihre Kunden durchzugraben.

Und Hillis hatte sich, zwar nicht wirtschaftlich, aber konzeptuell weitsichtig zur Zukunft des Computerns geäussert. So stellte er sich eine künftige, leistungsfähigere Version seiner Maschine als eine öffentliche Intelligenz-Ressource vor, die der Welt den Zugang zu künstlicher Intelligenz ermöglichen sollte, so wie man Wasser und Strom bezieht (und der das, was wir heute Cloud Computing nennen, schon recht ähnlich sieht).

Hillis wies darauf hin, dass es technisch machbar sei, eine tausendmal grössere Maschine zu bauen als die Connection Machine (oder wie der Computerkonstrukteur Burton J. Smith selbstironisch auf dem Branchentreffen Supercomputing ’91 anmerkte: „Wir können heute Rechner bauen, die niemand bezahlen kann.“) Eine solche Maschine wäre gross wie ein Haus geworden, aber die ersten Computer in den fünfziger Jahren hatten auch ganze Etagen eingenommen.

Das eigentliche Problem aber waren – und sind – die Probleme. Die meisten computergerecht formulierbaren Probleme seien angesichts der Leistungsfähigkeit einer solchen Maschine trivial.

Es muss also ein neues Berufsbild her: der Problemdesigner. Der Experte, der computergerechte Probleme massschneidern kann. Der die algorithmisierbaren Teile der Realität erkennt und in Programme umsetzt und der das Nichtalgorithmisierbare, das Wilde an der Welt, minimiert, interpoliert und ungefährlich macht.

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Der Begriff lässt kaum Raum für Zweifel: Supercomputer machen grosse Dinge.

Im März 2002 etwa ging in Yokohama der Earth Simulator in Betrieb. Für den damals schnellsten Supercomputer der Welt wurde ein 3.250 Quadratmeter grosses Gebäude errichtet, die halbe Fläche eines Fussballfelds. Die Maschine schaffte bis zu 40 Billionen Rechenschritte in der Sekunde, technically spoken 40 Teraflops (FLOPS steht für „floating point operations per second” – Rechenschritte mit Gleitkommazahlen).

Bis zum Juni 2004 hielt das Grossgerät den Spitzenplatz als schnellster Rechner der Welt. In der Zeit diente es der Erforschung des Klimawandels und möglicher Lösungen für globale Umweltprobleme. Anhand eines „virtuellen Planets Erde” wurden langfristige geophysikalische, klimatische und wetterbedingte Phänomene nachgebildet. Grosse Sache.

2008 war die Maschinenhalle auf Platz 49 der jährlich aktualisierten Liste der TOP 500 der weltweit schnellsten Supercomputer abgerutscht und wurde einer Auffrischung unterzogen. Platz 1 auf der Liste nimmt derzeit der aus 3,12 Millionen Prozessorkernen bestehende Computercluster Tianhe-2 („Milchstrasse-2“) des National Super Computer Center im chinesischen Guangzhou ein.

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Anfang der Neunzigerjahre hatte Allan Bromley, der Wissenschaftsberater des damaligen US-Präsidenten Bush, unter dem Titel „Grand Challenges“ eine Liste mit Problemen vorgestellt, zu deren Lösung ein Vielfaches der zu der Zeit bereitstehenden Computerleistung benötigt würde, und einen Etat in Höhe von drei Milliarden Dollar beantragt und genehmigt bekommen. Auf der Liste standen Fragen wie die nach den Formprinzipien von Galaxien oder weshalb das Universum so aussieht, wie es aussieht. Grosse Sache.

Um die Jahrtausendwende gab es eine erste Annäherung an eine Antwort auf die Frage nach dem Universum: die Millennium-Simulation, gemeinsam durchgeführt von Kosmologen aus Deutschland, Grossbritannien, Kanada, Japan und den USA, zeigte erstmals, wie aus kleinen „Störungen“ nach dem Urknall grosse Unregelmässigkeiten entstehen, wie wir sie aus dem heutigen Universum kennen. 2010 – weitere zehn Jahre später – zeigt die auf dem Plejades-Supercomputer des Ames Research Center der NASA durchgeführte Bolshoi-Simulation die bislang akkuratesten Ergebnisse dieser Computernachbildung der Entstehung von überhaupt allem. (Die isländische Sängerin Björk verwendete Bilder daraus bei der Aufführung ihres Songs „Dark Matter“.)

Das eigentlich Erstaunliche ist: Man staunt nicht. Naja, eine Urknallsimulation. Es ist die Mischung aus Dummheit und Geschwindigkeit, die uns an Computern beeindruckt. Ein Supercomputer kann ja nicht einmal Kaffee holen. Im Mai 1997 wurde Garri Kasparov von dem Supercomputer „Deep Blue“ besiegt. Zum ersten Mal unterlag ein Schachweltmeister einer Maschine. Und? Nichts. Danach stand Deep Blue in einer Lagerhalle in New Jersey und machte Data Mining, grub grosse Datenbeständen nach unentdeckten Mustern um, mit denen sich wirtschaftliche Abläufe einträglicher gestalten lassen. Ein bisschen, als würde ein vormals grosser Mann sich auf der Strasse nach Kleingeld bücken müssen.

Der Plejades-Supercomputer der NASA, auf dem die Bolshoi-Simulation gerechnet wurde, gehört zur Altix-Familie von Hochleistungsrechnern der Firma Silicon Graphics. Werden Systeme der Altix-Familie mit einem Grafikmodul ausgestattet, heissen sie Prism.

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The Call that Changed My LifeDas zufällig namensgleiche NSA-Überwachungsprogramm PRISM hat seinen Anfang im Jahr 2005 genommen, also genau zwischen den beiden Supercomputer-Simulationen des Universums. Mit PRISM wird die digitale Kommunikation von Menschen innerhalb und ausserhalb der USA umfassend überwacht. Enthüllt wurde dieses Programm, das zum Synonym geheimdienstlicher Methoden im Internet-Zeitalter wurde, von Edward Snowden.

Hier nun sind die Problemdesigner an der Arbeit, im Utah Data Center beispielsweise, das die NSA seit 2013 nahe einer Stadt mit dem schönen Namen Bluffdale betreibt. Das Gelände mit dem wurstförmigen Umriss, auf dem der womöglich grösste und leistungsfähigste Rechnerpark der Welt läuft, umfasst 93.000 Quadratmeter, es hätten also 28 Earth Simulatoren darauf Platz. Die Leistungsfähigkeit der Anlage lässt sich nur schätzen. Umgerechnet auf die Weltbevölkerung soll ihre Speicherkapazität einem Datenvolumen von zwischen 1,4 Megabyte und 140 Terabyte pro Person entsprechen. „Damit“, merkt die deutschsprachige Wikipedia lapidar an, „wird der Schritt in die komplette Überwachung und Speicherung der weltweiten Kommunikation möglich.“

„Kultur ist Reichtum an Problemen“, schrieb Egon Friedell schon vor 100 Jahren, „und wir finden ein Zeitalter um so aufgeklärter, je mehr Rätsel es entdeckt hat.“ Womit er, von Hand berechnet und weitreichend, wie wirkliche Poesie nun einmal ist, bereits die Arbeitsgrundlage der Code- und Verfassungsknacker des 21. Jahrhunderts erfasst hat.

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March 25 2015

Nur kurz: Infektiöse Geldsucht

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Kindern sollte man den Glauben an Verschlüsselung nicht nehmen.

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Schlechtschreibkorrektur

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Prinz Charles versucht seit Jahren, mit seinem Burberry E-Mails zu empfangen.

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Indoornet

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Ohne Staatsgeheimnisse wüssten ja alle Bescheid. Und wo kämen wir da hin.

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Doktorfata Morgana

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Viele sind auch bereits gegen Antiidiotika resistent

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Klicklichsein

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Infektiöse Geldsucht

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Elefantenschreibmaschine auf der Weltausstellung 1939 in New York.

Elefantenschreibmaschine auf der Weltausstellung 1939 in New York.

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„Ich erinnere mich an den Nachmittag, als ich im Taxi zwischen sehr hohen Gebäuden fuhr, unter einem malvenfarbenen und rosigen Himmel; ich begann zu weinen, weil ich alles hatte, was ich wollte und weil ich wusste, dass ich nie wieder so glücklich sein würde.”

— F. Scott Fitzgerald

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Hierzu siehe auch:

• Freund aus einer fernen Zeit

• F. Scott Fitzgerald liest die „Ode to a Nightingale” von John Keats.

• Der Flachmann des Schriftstellers F. Scott Fitzgerald.

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automatische autobahn

“Automatische Autobahn” aus den Sechzigerjahren.

 

Schöne Links: { → Nekofont ist eine Schriftart aus Katzen | Es braucht nicht viel (Via Kateoplis) | Nahe der Stadt Utrecht: → Schwärme von Staren im Januar. (Via Aka pearl of a girl) | Die → Berkeley Poster Collection 1968–1973 – “250 posters from the protest movement” | Der Frühling kommt – denk an den Herbst, dann wird er farbiger: → Still falls the rain. (Via This isn’t happiness) | Kleopatra, → berichtigt. (Via Bad Newspaper) | Und: Die → elegischen Landschaftsaufnahmen des kalifornischen Fotografen Navis. }

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March 23 2015

Die Frösche und der ungarische Algorit(h)mus

Die Wikipedia steckt voller verborgener Schätze. Als ich mich gelegentlich mit der Abfassung von Kreuzworträtseln beschäftigte, war mir die Entdeckung der vollständigen Sammlungen mit 2-buchstabigen und 3-buchstabigen Kürzeln eine grosse Hilfe.

Diese wunderbaren Sammlungen waren damals, und auch danach immer wieder, von der Löschung bedroht, da es Wikipedianer gibt, denen sich der Sinn dieser Zusammenstellungen nicht erschliessen will. Wie der Löschwarnung zu entnehmen war, hielten sie das Ganze für nutzlosen Tand. Aber es sind das die Leute, welche in Wissensstrukturen wie der Wikipedia nur eine herkömmliche Enzyklopädie plus Verlinkung sehen wollen. Da ist viel mehr.

Die Sammlungen AA bis ZZ sowie AAA bis ZZZ und sogar AAAA bis ZZZZ gibt es zum Glück nach wie vor auf einem speziellen Wikipedia-Portal für Abkürzungen, und sie erinnern mich an die Froggy Page.

froggy page, startDie Froggy Page ist eine Seite aus der Frühzeit des Web, und als ich sie 1994 das erste mal sah, begriff ich sofort, dass sich durch das Netz einiges ändern wird – etwa, wie umfassend und neu verbunden wir künftig Wissen dargereicht bekommen. Die Seite wurde von Sandra Loosemore bestückt, einer damaligen Yale-Studentin, die heute für ein internationales Softwareunternehmen arbeitet. Sie mag Frösche und wurde schon als Kind „Froggy” genannt.

Es war eine Riesenmenge an Frosch-Information beziehungsweise Links auf der Seite versammelt, darunter auch die wissenschaftlichen Auskünfte über Frösche, die man in einem Lexikon erwartet. Aber das war nur ein kleiner Teil des Froschkompendiums. Der weitaus grösste Teil an Wissenswertem und, ja, an Frosch-Unterhaltung befasste sich mit Froschrezepten, Froschwitzen und elektronischen Froschgrusskarten; es gab Mengen an Froschbildern und Audiodateien mit Froschlauten, Froschmärchen, die Texte von Froschsongs, Hinweise auf berühmte Frösche wie Kermit, und Internet-Froschressourcen („On the Internet, nobody knows you’re a frog”).

froggy page, ausschnittZu dieser Zeit gab es noch keine Suchmaschinen und ein solcher Einstiegspunkt war ein Juwel. Eine solche Vieldimensionalität ging weit über das hinaus, was ich aus einem Lexikon gewohnt war. Ich wünschte mir viele solcher Seiten, zu jeder Art von Wissen. Das haben wir mit der Wikipedia inzwischen. Und daran, dass es die Mehrbuchstaben-Kürzel immer noch gibt, sehe ich, dass nicht die konservativen Kräfte die Online-Enzyklopädie weiterentwickeln, sondern die, die einen Sinn für die Unermesslichkeit des Wissens haben.

Auch die Froggy Page gibt es immer noch, wenn auch seit 2007 in einem statischen Zustand.

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IN MEIN erstes Kreuzworträtsel, um nochmal darauf zurückzukommen, hatte ich einen kolossalen Fehler eingebaut, den ich erst entdeckte, als ich nach drei Tagen fertig war. Ich hatte das Wort Algorithmus falsch geschrieben – ausgerechnet. Da stand nun Algoritmus, und eine Korrektur hätte bedeutet, das ganze Rätselgitter neu aufzubauen. Ein Kreuzworträtsel ist wie ein kleines Gehirn, in dem alles durch Buchstaben- und Wortsynapsen miteinander verbunden ist, alles hängt mit allem zusammen.

Auch hier half die Wikipedia. Auf Slowakisch und Ungarisch, fand ich nach ein wenig Suchen in den fremdsprachigen Wikipedia-Versionen, heisst Algorithmus Algoritmus. Also brauchte ich nur noch die Frage zu ändern: „Handlungsvorschrift für Computer (ungar.)” – Geht doch!

Von Kreuzworträtselfachleuten werden Buchstabenkürzel zwar als unelegant angesehen, aber ich hatte eine Schuld abzutragen. Ich wollte ein solide lösbares Kreuzworträtsel bauen. Lange her, hatte ich einmal für eine Stadtzeitung aus Jux ein unlösbares Kreuzworträtsel verfasst. Es bestand aus lauter Fragen, die sich zwar sinnfällig anhörten („Die der Öffnungsseite des Kartons abgewandte Lasche”), jedoch nicht auf den Begriff zu bringen waren. Als verzweifelte Leser in der Redaktion auftauchten, schämte ich mich.

Nun wollte ich endlich ein paar nach einem kleinen Glücksempfinden hin lösbare Kreuzworträtsel abfassen. Die Volte mit dem ungarischen Algorit(h)mus fand ich im Zeitalter von Google vertretbar. Und es sind nicht nur Kreuzworträtsler, denen der Wert von Buchstabenkürzeln klar ist. Als der Blogger und Hacker Paul Boutin mal gefragt wurde, was er für das grösste Computer-Problem halte, lautete seine Antwort: „Dass es nur 17.000 Dreibuchstabenkürzel gibt.”

Genau genommen sind es 26 hoch 3 = 17.576 Kombinationen, aber was noch viel interessanter ist: Es gibt in der Wikipedia auch, falls jemand gerade keine zur Hand haben sollte, Listen mit ungelösten Problemen aus verschiedenen Bereichen von Wissenschaft und Technik. Mich würde zum Beispiel interessieren, wie man ein festgeschriebenes Wort wie Aufzug dazu bringen kann, wirklichkeitsnäher zu werden, da ein Aufzug der abwärts fährt ja genau genommen Abzug heissen, das Wort also eigentlich oszillieren müsste.

Das aber ist ein Rätsel, das über die schlichte Kreuzwortgeometrie hinausführt.

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March 20 2015

Nur kurz: Es gibt kein Leben ohne e

Betrübssystem

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Vulkane sind Berge, die sich nicht benehmen können.

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Zwischen Fernsehen und Weitsicht gibt es einen wahrnehmbaren Unterschied.

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Soziale Netze sind nicht sozial.

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Das Ergebnis der ersten Reagenzglasbefürchtung

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Nein, Yodabyte es nicht heißt!

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Woman auch hinschaut – Frauen.

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Magnichtismus

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Wendekreis des Keinbocks

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Die NSA-Mitarbeiter, die den Facebook-Stream auswerten müssen, gehören intern sicher einer Art Strafkolonie an.

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Haststrafe wegen Geschwindigkeitsüberschreitung

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Es gibt kein Leben ohne e.

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Schöne Links: { Als sich im Jahr 2001 in der Stadt Olympia im US-Bundesstaat Washington ein Erdbeben der Stärke 6,8 ereignete, zeichnete ein Pendel des Ladenbesitzers Jason Ward → dessen Spuren im Sand auf. | Mit Grant Robinsons → Montage Maker lassen sich aus den Ergebnssen einer Google-Bildersuche große, automatische Collagen fertigen. | Ukiyo-e ist ein Genre der japanischen Malerei und Druckgrafik, bei uns bekannt sind vor allem die klaren, stimmungsvollen Farbholzschnitte. Hier Ukiyo-e- → Bilder von Yoshimune Arai (1873-1945); hier → weitere.| Helicone – eines der mathematisch exakten → kinetischen Objekte von John Edmark. | Und: Alte Admirale. }

boxing establishment, 1917

March 17 2015

Spass am Gerät

Die Kräfte, die zur Produktion von Nutzlosigkeit höherer Art führen, werden gern unterschätzt. Möglicherweise sind es die Motoren der Kulturentwicklung.

Venus von Dolní Věstonice, ca. 30.000 v.Chr. | Foto Petr Novák, Wikipedia

Venus von Dolní Věstonice, ca. 30.000 v.Chr. | Foto Petr Novák, Wikipedia

„Reife des Mannes: Das heisst, den Ernst wiedergefunden zu haben, den man als Kind hatte, beim Spiel“ – diesen Satz des Philosophen Friedrich Nietzsche könnte man als Wappenspruch über die Geschichte der Technik schreiben.

So entwickelte der Frühmensch vor etwa 30.000 Jahren die Keramik, aber nicht etwa, um damit nützliche Dinge hervorzubringen, wie man angesichts einer am schieren Überleben orientierten Grundströmung meinen könnte. Einige Jahrtausende lang wurden erst einmal aparte Fruchtbarkeitsgöttinnen geformt, ehe die Töpfer dazu übergingen, Nützliches wie den Krug oder die Schale zu erfinden.

Noch heute, Jahrtausende später, wird diese bemerkenswerte Tradition fortgeführt. Immer wieder kann man erstaunt beobachten, wie immense Kreativität freigesetzt wird, um Unsinn zu produzieren. Besonders auffällig ist das am Computer, einer Maschine, die scheinbar nur so strotzt vor Effektivität und Vernunft.

Schon in der PC-Frühzeit haben Programmierer das Äusserste an Findigkeit aufgeboten, um virtuosen Quatsch zu schaffen. So gab es etwa für den C-64, das Trichtergrammofon unter den Mikrocomputern, ein Progrämmchen, mit dem sich die rote LED an der Diskettenstation dimmen liess, und ein anderes, mit dem man vermittels Trafosummen und dem Schrittmotorgeräusch des Schreib-Leserkopfs den Radetzkymarsch spielen konnte.

Wird der Mensch eines solchen Kunststückchens ansichtig, erfüllt ihn, siehe Nietzsche, eine kindliche Freude von grandioser Tiefe. In vielen grossen Programmen sind sogenannte Easter Eggs versteckt, verborgene Phänomenchen, in denen die Schöpfer der Software ein kunstvolles kleines Augenzwinkern hinterlassen haben. Wer sich in den Achtzigerjahren die Mühe machte und den Code des Betriebssystems für die Atari-Computer las, der konnte in einer Kommentarzeile auf eine Liebeserklärung eines der Programmierer an seine Freundin stossen.

Ein wesentlicher Teil des Vergnügens an dieser Art der elektronischen Eleganz liegt darin, dass es sich um einen Ausdruck von Souveränität handelt. Wir spüren darin auf angenehme Weise, wie man sich über die vermeintlich unerbittliche Ernsthaftigkeit des Hightech-Maschinariums vergnügt hinwegsetzen kann. Anders gesagt: Wir sehen, was den Menschen unverwechselbar macht.

Katzenmaulbrillengestell, patentiert im November 1961.

Katzenmaulbrillengestell, patentiert im November 1961. | Aus einer Sammlung kurioser Patente von LisaGenius auf Flickr.

Niemals wird eine Maschine jene Mischung aus zarter Nervigkeit und warmer Ironie entwickeln können wie sie etwa einer der Urahnen der heutigen bösen Virusprogramme an den Tag legte. Das sogenannte Cookie Monster-Virus hielt den Rechner an, auf dem Bildschirm erschien die Aufforderung „Ich will einen Keks“.

Erst wenn man brav K-E-K-S eingetippt hatte; ging es wieder weiter; ab und zu wollte der Algorithmus dann wieder einen Keks.

Eine ganze Subkultur entstand: die Demo-Szene. Anhand wunderbar sinnloser Spielereien stellte sie ein ums andere Mal unter Beweis, dass all das, wovon man gedacht hatte, dass es gar nicht geht, sehr wohl geht. Versucht man diese Leichtigkeit aber einzufangen und in den Dienst der Effektivität zu stellen, verflüchtigt sie sich. Natürlich sind derlei Wow-Effekte immer auch Visitenkarten der Könner, die sie produzieren. Aber das wirklich Schöne am Unsinn ist seine unbezähmbare Freiheit.

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March 13 2015

Nur kurz: Big Dada

«Ich nenne Journalismus alles, was morgen weniger interessant ist als heute.»

— André Gide

 

«Journalismus ist Literatur in Eile.»

— Matthew Arnold

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Dummheit und Unendlichkeit: Perpetuum Debile

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Verlesen: Verratsdatenspeicherung

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Cat Content: Die Katerstrophe!

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Nullsummen: Wenn die Biene innehält

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Entwertungsgesellschaft

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Diskettensägenmassakker

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Hochstaplerfahrer

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Infrarotlichtbezirk

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Investment-Punk: God Save the Gewinn

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“Nehmen Sie gefälligst Geheimhaltung an!”

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Big Dada

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Diskriminimierung wäre hochauflösender als Antidiskriminierung.

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Crowd Fun Ding

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Herr Doktor, ich muss immer Code brechen.

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Sagt man “Algorithminnen und Algorithmen” oder “Algorithwomen und Algorithmen”?

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mechanized robot

Schöne Links: { Ein → Uterus-förmiger Sarg, angefertigt für einen Gynäkologen von Ghanas führendem Fantasie-Sargbauer Paa Joe. | 450.000 Comics-Cover und noch weitaus mehr: der → Cover-Browser | → Rumänien | Stadterkundungen: → abgelebte Orte | Leben an kalifornischen High Schools, → 1969 | Menschenbilder von → Irwing Penn | Und der schottische Zeichner Tom Gauld hat mal die Gründe dafür aufgezeichnet, weshalb er immer → den ganzen Tag zu Hause bleibt. }

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March 10 2015

Der unersättliche Wunsch nach Wissen

Der Papst muss sich im Internet nicht auskennen. Er hat eine erstklassige Schwester als Chefexpertin.

steve jobs kirchenfensterWo die Zuständigkeit des Vatikan in Technologiefragen liegt, war für den deutschen Raumfahrtpionier Eugen Sänger völlig klar. In seinem Buch „Raumfahrt – technische Überwindung des Krieges” von 1958 erläuterte er: „Die Frage nach dem Sinn solcher Unternehmen hat Papst Pius XII. im Herbst 1956 gegenüber Teilnehmern des Internationalen Astronautischen Kongresses in Rom mit der offiziellen Erklärung beantwortet: ‘Der Herrgott, der ins Menschenherz den unersättlichen Wunsch nach Wissen legte, hatte nicht die Absicht, dem Eroberungsdrang des Menschen eine Grenze zu setzen.’“

Inzwischen hat das Menschenherz das unersättliche Wünschen in den digitalen Weltenraum verlegt. Seit Weihnachten 1995 ist auch der Heilige Stuhl online. Im Frühjahr 2002 musste der E-Mail-Account von Johannes Paul II. zeitweise wegen Uberlastung geschlossen werden. Ein Vatikan-Sprecher erklärte dazu, Gläubige sollten bei Problemen mit ihrem Pfarrer sprechen. „Das Internet ist ein wundervolles technologisches Instrument”, wurde weiter verlautbart. In zwei Dokumenten über Ethik und die Rolle der Kirche im Netz zeigte die christliche Führung profunde Kenntnis von den neuen Möglichkeiten.

Johannes Paul II. erwies sich als grosser Verfechter der modernen Medien – „da sie neue Wege der Evangelisierung eröffnen”, wie die amerikanische Schwester Judith Zoebelein sagt. Zoebelein ist päpstliche Internet-Chefexpertin, sie hat die ersten Server im Keller des Apostolischen Palasts eingerichtet. Der Webserver heisst nach dem Erzengel der Verkündung „Gabriel”, der Firewall nach dem Wächter-Engel „Michael” und das vatikanische Intranet „Raphael” – auch Raphael arbeitet stets im Geheimen. Dass die Technik solide läuft, zeigte sich nicht zuletzt im Oktober 2006, als islamische Hacker die Website erfolglos attackierten. In einem Online-Forum militanter Muslime hatte eine Gruppe angekündigt, als Vergeltung für die Islam-Kritik Papst Benedikts in seiner Regensburger Rede das Computernetz des Vatikan anzugreifen.

In seiner Botschaft zum 41. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel, der immer am am 24. Januar stattfindet, geisselte Benedikt XVI. danach unter anderem Gewaltverherrlichung und antisoziales Verhalten in Videospielen als Perversion und machte als Ursache aus, dass der „wirtschaftliche Druck Medienschaffende zu niedrigeren Standards drängt”. Der Papst empfahl, nicht nur über die Erziehung der Kinder nachzudenken, sondern in der umfassenden Väterlichkeit eines Unfehlbaren auch über „die Erziehung der Medien”. Angesichts des zunehmenden Angebots müssten Kinder ausserdem Unterscheidungsfähigkeiten erwerben.

Bemerkenswert an der päpstlichen Botschaft war ihre Modernität. Die Killerspiel-Diskussion wurde ebenso aufgegriffen wie Fragen der Medienversiertheit oder wo die Pfade der Zivilisation durch den Google-Dschungel verlaufen. Aber es war nicht eine Modernität der Kirche, die darin zum Ausdruck kam. Eine sonderbare Blässe lag auf den Sätzen, die ähnlich schon auf Hunderten von Medienkongressen zu hören waren, moralischer Appell inklusive. Wollte, um Gottes Willen, die Kirche nicht mehr anders sein?

Papst Franziskus outet sich als schlichtes Computer-Antitalent und erntet auch damit Sympathie aus dem milde maschinenstürmerischen Mainstream. Während einer Videokonferenz mit Schülern Anfang Februar räumte er ein, keine Hand für neue Technologien zu haben. „Die Wahrheit ist, dass ich kein Tablet habe. Ich bin ein Dummkopf, was Computer angeht. Ich kann sie nicht benützen, was für eine Schande!”, antwortete er auf die Frage einer 16-jährigen Spanierin mit Down-Syndrom. Anderen riet er, sich nicht einzuschliessen, sondern zu kommunizieren.

In seinem einzigartigen Film-Essay Sans Soleil liess Chris Marker 1983 einen Erzähler eine Ausstellung von Schätzen aus dem Vatikanmuseum in einem Grosskaufhaus in Tokio kommentieren. „Schätze, die den Vatikan noch nie verlassen hatten, wurden im siebten Stock des Kaufhauses Sogo gezeigt. … Da war Neugierde, und ein Schimmer von Industriespionage auf den Augen – ich stelle mir vor, dass sie innerhalb von zwei Jahren eine effizientere und kostengünstigere Version des Katholizismus auf den Markt bringen.“

Das ist bekanntlich nicht passiert. Weder haben die Japaner den Katholizismus reformiert, noch die Kirche das Netz oder die moderne Gemeinschaftlichkeit. Stattdessen haben wir eine Menge unbeantworteter Fragen, aber besser eine eigene, höchstpersönliche Ungewissheit als ein Glaube, der einem von aussen aufgetragen wird.

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March 02 2015

Die mit dem Rechner sprechen

Reden Sie mit ihrem Computer? Keine Angst, es ist heilbar.

Computopia, the Future. Shonen Magazine, Japan, 1969

Computopia, the Future. Shonen Magazine, Japan, 1969

ES GIBT eine sonderbare Diskrepanz. Die IT-Industrie möchte unbedingt, dass wir mit unseren Rechnern reden. Vordenker halten die Verwendung von Tastaturen für steinzeitlich. Spracherkennung soll beim Übergang vom Kopfinhalt zum Bildschirminhalt die Eleganz des leichthin Gedachten bewahren. Im Auto ist es bedeutend ungefährlicher, Geräte berührungslos anzuweisen.

Nun gehöre ich aber zu den Nutzern, die nicht mit ihrem Gerät reden möchten. Bereits beim Hinterlassen von Nachrichten auf Anrufentgegennehmern muss ich mich überwinden. Bis heute habe ich nicht gelernt, wie man sich von einem solchen Gerät richtig verabschiedet.

Die Vorstellung, mit meinem Computer sprechen zu müssen, erinnert mich an eine Szene aus dem Film „Solo für zwei”. Darin spielt Steve Martin einen Anwalt, der eine Millionärin davon abbringen soll, ihre Seele durch einen tibetischen Lama in einen anderen Körper transferieren zu lassen. Während einer turbulenten Suche beugt er sich, in der Meinung, die Seele sei darin gelandet, über einen Eimer Wasser und führt ein Gespräch mit ihm, das in einer reflexhaften Selbsterkenntnis endet: „Ich rede mit einem Eimer!”

ES GIBT ein Volk, das es liebt, Konversation mit Maschinen zu haben: die Japaner. Es gibt in Japan Badezimmerspiegel, die einem morgens sagen, wie toll man aussieht und Heizöfchen, die einen höflich anreden, wenn ihnen das Petroleum ausgeht. Plauderne Armaturenbretter in japanischen Kraftfahrzeugen sind Legende. Wir Nordeuropäer jedoch lieben die elegische Stille des Denkens. Ich sehe zum Beispiel Musikvideos am liebsten ohne Ton.

Und erstaunlich, die Menschen sprechen mit ihren Rechnern – aber ohne Spracherkennung. Drei Viertel der deutschen Computernutzer sprechen einer Studie zufolge mit ihrem Gerät, viele davon häufig. Der Ton reicht von Ermunterungen bei Instabilitäten bis zu wildem Unflat. Nur ein Viertel der Nutzer gibt an, nie mit der Maschine zu sprechen.

Die mit dem Rechner sprechen, mögen denken: das sozialisiert sich. Man wird sich daran gewöhnen. In ein paar Jahren könnte es so normal sein wie heute, wo der allerorts mobil telefonierende Mensch jede Scham verloren hat, dass andere ihn öffentlich in einer erweiterten, hörbaren Art von Nacktheit vorfinden. Scham und Scheu sind Dinge, die Ingenieuren fremd sind. Aber es hat Gründe, weshalb Menschen ungern mit Dingen reden.

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February 25 2015

Nur kurz: Sind wir nicht alle ein bißchen Internet?

Maschinengalerie: Ein rückstosstarker Riesenkalmar. | Foto: Claude Joannis (Flickr)

Maschinengalerie: Ein rückstosstarker Riesenkalmar

Foto: Claude Joannis (Flickr)

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Origami-Gebühren für Vielnutzer: Faltrate

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Die kritischen Inseln

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Der Ultimat

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Gehalt und Leidenschaft

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Gegen Wissen hilft Glaubersalz

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Sind wir nicht alle ein bißchen Internet?

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Ich mag die Amerikaner. Sie versuchen aus den Fehlern der Vergangenheit die richtigen Schüsse zu ziehen.

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+++ Hekticker

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„Ich würde ein Auto oder ein Dampfschiff zum Reisen benutzen, das sind ganz zweckmäßige Maschinen, die nicht das geringste mit Spiritualität zu tun haben. Ich betone noch einmal, dass keine Organisation den Menschen zur Spiritualität führen kann.“

— Jiddu Krishnamurti,

„Der Mensch ist also eine künstliche Maschine, zwar mit genetischer Disposition und einer Fülle von Leben begabt; aber die Maschine spielet sich nicht selbst, und auch der fähigste Mensch muß lernen, wie er sie spiele.“

— Johann Gottfried Herder

„Gerade ihre Regelmäßigkeit ist die fürchterlichste Eigenschaft der Maschine.“

— Joseph Weizenbaum

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Schweinderl