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Alles Gute vom Computer

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Eigentlich sollte man sich freuen, wenn einem vielen Leute zum Geburtstag gratulieren. Wenn eine Maschine der Grund dafür ist, ist die Freude aber getrübt.

Ein alter Freund hatte Geburtstag, und er erzählte mir, wie verwundert er war über das unerwartete Ausmaß an Gratulationen. Vor Jahren hatte man gestaunt, neben den obligaten Glückwünschen von Verwandten und engen Freunden, immer öfters dieser pseudo-personalisiertes Anschreiben seiner Bank o.ä. zu erhalten – “Wir freuen uns, Herr Glaser, Sie, Herr Glaser, mit unserem Angebot bekanntmachen zu dürfen, Herr Glaser.”

Im übrigen merkte man am Zurückgehen der Gratulantenmasse (oder vielleicht besser: des Gefühls, dass die ganze Welt mit einem Geburtstag feiert), dass man älter wird. Die verbleibenden Glückwünsche waren gewissermaßen gekeltert, reifer Wein. Eine milde Glut tief in der Mitte.

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Im Internet weiß niemand,
dass du ein Hund bist
(Foto:
Beverly & Pack, Flickr/CC)

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Und jetzt Glückwunschtsunamis. Haufenweise Leute, die man kaum kennt, gratulieren einem zum Jubeltag. Geschäftspartner, flüchtige Bekannte. Menschen, denen man noch nie leibhaftig begegnet ist – nur im Netz. Nach kurzem Überlegen hatte mein Freund damit auch die Quellen der neuartigen Zuwendung eingepeilt: die sozialen Netze. Ob Facebook, Xing oder StudiVZ, alle halten einem die Pflichtfelder zum Ausfüllen vor die Nase, wenn man einen Account einrichten möchte, um sich in dieser neuen Welt umzutun. Mit dabei: das Geburtsdatum.

Mancher wünscht sich inzwischen eine Zeit zurück, die für Ältere noch gar nicht richtig vergangen ist und in der man ein paar wichtige Daten seiner Freunde in einem Kalender notiert hatte. Digital gutvernetzten Menschen fällt auf, dass ihnen nur noch die Großeltern und die allerengsten Freunde persönlich zum Geburtstag gratulieren. Im Netz gibt’s automatische Geburtstagserinnerungen,das ist praktisch, zugleich aber auch ärgerlich – einerseits für diejenigen, die gratuliert bekommen und wissen, dass der Gratulant sich nicht einmal die Mühe machen musste, ihren Geburtstag in einen Kalender einzutragen, und auch dass der Überbringer der Freundlichkeit sich bestimmt nicht von sich aus erinnert hat,  sondern dass ein Algorithmus ihn dazu gebracht hat, zu gratulieren. Diejenigen, die sich den sozialen Medien verweigern, fallen komplett unter den Tisch. Die meisten ihrer online-affinen Freunde besitzen überhaupt keinen Kalender mehr.

Mein Freund hat sich etwas ausgedacht, um beim nächsten Mal den Gratulierfolgen der Pflichtfelder zu entgehen: Er will falsche Angaben machen. Das machen erstaunlich viele Leute. Marktforschung via Internet ist etwas, das keinen besonders soliden Grund unter den Füßen hat. Ein falsch angegebenes Geburtsdatum hat übrigens noch unangenehmere Folgen als ein richtiges. Ich hatte mal irgendwo den 1.1. als Geburtsdatum angegeben und mußte nach dem zehnten Glückwunsch zu Jahresbeginn, alles ernstgemeint, zunächst einmal ein Dementi verteilen. Ich wollte nicht die Gratulanten verschaukeln, sondern das System. Aber das geht nicht.

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Schweinderl