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Endlich Fenster

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Ein Jugendtraum geht in Erfüllung: die Internationale Raumstation hat einen Wintergarten. (Illustration: Kurt Röschl, 1955)

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AUSSER EINEN KRIEG zu führen gibt es kaum eine effizientere Art, Geld aus dem Fenster zu schmeissen, als die bemannte Raumfahrt. Unbemannte Instrumente wie das Weltraumteleskop Hubble oder die Marssonden Opportunity und Spirit haben uns großartige neue Einblicke in den Kosmos verschafft. Unbemannte Kommunikationssatelliten haben die Welt in einen Bienenschwarm aus Botschaften verwandelt. Die Internationale Raumstation ISS aber, deren Gesamtkosten sich nach Angaben der europäischen Raumfahrtagentur ESA auf etwa 100 Milliarden Euro belaufen, macht vor allem durch bizarre Stunts auf sich aufmerksam, etwa einen Golfabschlag bei einem Raumspaziergang.

Nun versucht man dieses Problem sozusagen zu lösen, indem man ein Fenster einbaut, durch das man kein Geld schmeissen kann (wobei Fenster, die sich öffnen lassen, im Weltraum prinzipiell zu Problemen führen). Jedenfalls reiste jüngst mit der Raumfähre Endeavour ein neues, großes Bauteil zur ISS – das Modul “Tranquility”. Teil dieses Moduls ist ein “Cupola” genannter Wintergarten, der den Astronauten durch sieben Fenster einen Ausblick ins All gestattet.

Ich bin mit der Raumfahrt aufgewachsen, und in den sechziger Jahren war der freie Blick in den Weltraum eine der Verheißungen des Raumfahrtzeitalters. In utopischen Romanen, Sachbüchern und Zeitschriftenartikeln waren Illustrationen zu sehen, in denen Besucher einer Raumstation durch riesige Panoramascheiben oder Glasböden hinein in die Unendlichkeit blickten.

Die Realität sah dann allerdings so aus, dass in der ersten Raumkapsel des amerikanischen Mercury-Programms ursprünglich überhaupt kein Fenster vorgesehen war. Der Mann in der Kapsel würde kein Pilot sein, sondern eine lebende Kanonenkugel, Marmelade in einem Berliner. Erst auf internen Druck der Astronauten, die sich andernfalls an die Presse wenden wollten, wurde ein winziges Bullauge eingebaut. Und dabei blieb es bis zu den Mondlandungen. Mit den neuen Space Shuttles brachte eine etwas größere Frontscheibe in den achtziger Jahren ein bißchen mehr Aussicht. Inzwischen gibt es im Space Shuttle sogar am Klo ein Fenster. “Der Höhepunkt war es immer wieder, aus dem Fenster zu schauen”, so der deutsche Astronaut Ulf Merbold.

Längst haben wir eine neue, bessere Art der Raumfahrt entwickelt: das Internet. Nun dürfen nicht mehr nur ein paar Astronauten in die Unendlichkeit reisen, sondern alle. Die unendliche Weite ist demokratisiert worden. Und Bildschirmfenster sind die ersten Fenster, durch die alle reingucken, nicht raus. Was sagt man heute, wenn man sich in einem neuen System einquartiert? Fräulein, ich möchte einen Rechner mit Blick auf den Code. Open Source-Systeme wie Linux ermöglichen sogar Einblicke in die Tiefen des digitalen Universums, bis fast hinein in den Urknall.

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(PRO)
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