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Einkaufspornographie

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Warum immer nur still und diskret shoppen? Im Internet gibt es jetzt Abhilfe: Zeigst du mir deine Quittungen, zeig ich dir meine.

DIE ZEIGELUST hat eine weitere, technisch forcierte Stufe erreicht: den Hyper-Exhibitionismus. Ein neuer Web-Service namens Blippy ermöglicht nun eine Mischung aus Selbst-Schufa und Striptease. Der Dienst sieht sich als “vergnügliche und einfache Möglichkeit, zu erfahren, was andere Leute kaufen und darüber zu reden”. Bei Blippy können die Leute sich gegenseitig zeigen, wo, wofür und wie viel Geld sie ausgegeben haben. Es ist ganz einfach: Man gibt seine Kreditkartendaten (”Visa, Mastercard, and more”) oder seine Zugangsdaten bei iTunes, Amazon oder anderen Einkaufsportalen an und alle können sehen, wofür man etwas hinlegt.

Superheroes go shopping
(Foto:
Wendy Skeleton, Flickr/CC) →

Nein, das ist keine Parodie. Es ist ganz einfach – zynisch? Ist es das, wenn die Leute genau wissen, worauf sie sich einlassen? Oder ist es vielleicht doch ein großes Experiment, an dem nun immer mehr Menschen Lust haben, teilzunehmen? Hat Larry Ellison Recht behalten, der schon 1999 sagte, dass wir Privatsphäre vergessen können und uns langsam damit abfinden sollten? Und Google-Chef Eric Schmidt, der die Auffassung vertritt, man solle am besten ein Leben führen, in dem es nichts gibt, das einen in Schwierigkeiten bringen kann, wenn es im Netz veröffentlich würde? (Der Nachrichtendienst Cnet hat von der Firma Google ein Jahr lang strafweise keinerlei Auskünfte mehr erhalten, nachdem Cnet persönliche Informationen über Eric Schmidt veröffentlicht hatte – ergoogelte Informationen, wohlgemerkt).

SOWAS WIE BLIPPY sollte bei Facebook vor einiger Zeit durch die Hintertür eingeführt werden – Social Ads. Sie hätten zur Folge gehabt, dass über die Einkäufe, die man beispielsweise bei Amazon tätigt, gleich auch die Facebook-Friends informiert werden. Die zwangsweisen Empfehlungen scheiterten jedoch am Widerstand der Nutzer. Sind es die unterschiedlichen Traditionen im öffentlichen Umgang mit Geld? Während einen ein Amerikaner unbekümmert sein Einkommen wissen läßt, scheut der Europäer davor  zurück. Bemerkenswert an den Blippy-Einblicken ist übrigens, dass oft lange “Einkaufs”-Listen mit einem Gesamtbetrag von Null Dollar oder Pfund zu lesen sind – weil die Leute Kostenloses downloaden.

Sharing ist die neue Tugend des Netzzeitalters – mehr Gemeinschaftsgeist, all sowas. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen bei Blippy ist unter “Information Sharing” zu lesen, dass man sich die Möglichkeit vorbehalte, verschiedene Dinge mit “vertrauenswürdigen Dritten” zu teilen, etwa Direktmarketing-Kampagnen. Der Nutzer erklärt sich damit einverstanden, dass auch seine persönlichen Daten “im notwendigen Maß” mit diesen Dritten geteilt werden. “Diese Leute”, sagt die Bürgerrechtlerin Rena Tangens, “dürfen sich nicht beschweren, wenn etwas Schlimmes mit ihren Daten passiert”. Wer sich auf einen Service wie Blippy einläßt, verdient kein Mitleid.

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(PRO)
No Soup for you

Don't be the product, buy the product!

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